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Das überraschende Verschwinden der DDR hatte kaum Zeit gelassen, um deren Alltag zu reflektieren. Zum einen, weil das kaum einer wollte; zum anderen weil viele glaubten, sich durch Abwenden von manch unangenehmer Erinnerung befreien zu können.
In der üppigen Warenwelt des neuen Systems verabschiedeten sich Dinge, die Menschen oft höchst erstrebenswert erschienen und ein halbes Leben lang begleiteten, unbemerkt und endgültig. Man entfloh gern dem realsozialistischen grauen Einheitsbrei, indem man sich mutig in die Fluten der kapitalistischen Buntheit stürzte.
Es dauerte aber nicht lange, da stellte man fest, dass Lebenswege nicht radikal abbrechen und abrupte Richtungsänderungen die Zukunft, jedoch nicht die eigene Vergangenheit ändern können. Eine gewisse Unübersichtlichkeit erzeugt von endlosem Mediengeschrei verstellte den anfangs euphorischen Blick ebenso wie mancher Berg aus neuen Problemen; oder sollten wir besser Aufgaben sagen?
Da schauten diese Menschen zurück in der Hoffnung, Halt, Gewissheit und ihr mittlerweile abhanden gekommenes Selbstbewusstsein wieder zu finden. Aber leider waren die Dinge, an denen man sich so gern festgehalten hatte, nicht mehr vorhanden.
Genau diese findet man in der Ausstellung, die nicht mehr als ihr Name verspricht: Eine Reise in eine glücklicherweise vergangene Welt; die Präsentation von Restbeständen einer verschütteten Alltagskultur.
Wer Sensationen erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Hier steht Alltägliches mitunter etwas mitgenommen und vom Gebrauch gezeichnet. Eine "Ausstellung mit Augenzwinkern" die, das sollte man nicht verkennen, alles wohl etwas besser erscheinen lässt, als es war!
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Dabei will die Ausstellung Geschichte weder verbiegen noch gerade rücken, sondern Erinnerungen wecken und Denkanstösse geben, damit Betrachter mit sich und untereinander über einen Lebensabschnitt ins Gespräch kommen. In leiser Zwiesprache mit den Dingen oder vernehmlicheren Aussprache mit Anderen entsteht im besten Falle etwas ganz persönliches und durch nichts zu ersetzendes.
Dabei ist die Ausstellung nicht nur etwas für "gelernte" DDR-Bürger. Da diese Vergangenheit bereits Lehrstoff geworden ist, können Schüler Fragmente vom tatsächlich gelebten Alltag sehen und so die vornehmlich politisch dargebotene Wahrnehmung von DDR-Vergangenheit ergänzen. Das gilt ebenso für Besucher aus den "alten" Bundesländern, die für einen unverstellten Blick auf diese Zeit häufig dankbarer sind als mancher "Neufünfländer".
Sicher ist dieses Projekt noch unvollständig, entwicklungsfähig und wird Diskussionen hervorrufen; aber: Das ist gewollt. Anregungen und Mithilfe sind stets willkommen!
Dr. Wolfram Kotte
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